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Unsere Slumhütte - Nachhaltiges Handeln in der Einen Welt

Datum

Dezember 2002 - April 2003

Ort

Landau (Pfalz)

Dauer

5 Monate

Teilnehmerzahl

50

Initiiert von

Freie Montessori-Schule Landau in der Pfalz

Ansprechpartner

Dipl. Ing. Elfriede Schäfer und Dipl. Ing. Norbert Schäfer
Gutshof Kaiserbacher Mühle, 76889 Klingenmünster
Tel. 06349/92 84 14, E-Mail: info@stadt-und-natur.de
Dr. Rainer Tempel, PädagogischesZentrum Rheinland-Pfalz
Außenstelle Speyer, Butenschönstraße2, 67346 Speyer, Tel. 06232/670 33-19
E-Mail: tempel@pz.bildung-rp.de

 

Ziel

Bewusster Umgang im Alltag mit den vorhandenen Ressourcen und Rest-, bzw. Abfallmaterial, Kenntnis von und Verständnis für Probleme von Ländern des Südens

Ablauf

  1. Einführung in das Thema durch Schilderung eigener/authentischer Erlebnisse,
  2. Planung der Slumhütte
    1. Besuch des städtischen Wertstoffhofes,
    2. Beschaffung der Materialien gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern,
    3. Beginn der Arbeiten an der Slumhütte,
    4. Besuch des städtischen Weltladens,
    5. Präsentation der ersten Ergebnisse im Radio,
    6. Fertigstellung der Hütte und Bericht in der Zeitung),
  3. Nachbetrachtung und Erfahrungen

 

Einführung in das Thema durch Schilderung eigener/authentischer Erlebnisse
Am Anfang des Projektes „Unsere Slumhütte“ stand die Einführung in das Thema
„Eine Welt“mittels eines konkreten Beispiels aus Lateinamerika. Das Ehepaar Schä-fer vermittelte anhand eines Diavortrages einen Eindruck von ihrem 4-jährigen Auf-enthalt in Haiti. Das Leben derMenschen, die wirtschaftliche Situation und die ökolo-gischen Verhältnisse wie auch das von ihnen betreute MISEREOR-Projekt wurden
dargestellt. Ein Puzzle-Spiel, die Suche nach Haiti auf dem Globus und Internetre-cherchen brachten eine weitere Annäherung der Schülerinnen und Schüler an das
Land. Verschiedene haitianische Kostbarkeiten wie z. B. eine Lambi-Muschel,haitia-nischesSpielzeug oder landestypische Musikinstrumente ergänzten das Bild vom
ärmsten Land des amerikanischen Kontinents. Abschließend wurde der Bogen ge-schlagen zuallgemein gültigen Fragestellungen und Themen aus dem Bereich der
Entwicklungszusammenarbeit.
Beim nächsten Treffen ging es um Armensiedlungen in Ländern des Südens. Wie
sehen Slums am Rand großer Metropolen aus, wie sind die Lebensverhältnisse der
dort lebenden Menschen, warum gibt es das Phänomen der Landflucht, - nicht zu-letzt: „Wie sehen denn solche Hütten aus? Wie viele Personen leben in einer Slum-Hütte? Wie groß ist sie im Verhältnis zu einem deutschen Kinderzimmer?“.

Planung der Slumhütte
Als nächster Schritt folgte die konkrete Planung der Hütte:

  • Wie groß soll sie werden?
  • Aus welchen Materialien wird sie gebaut?
  • Sind Natur-, Rest- und Abfallmaterialien zufinden, so dass sie kostenfrei kon-struiert werden kann?

Um diese Fragen besser beantworten zu können und einen besseren Überblick über
die Wertstoffe zu erhalten, die in Deutschland zur Verfügung stehen, wurde be-schlossen, einen Besuch im Wertstoffhof der Stadt Landau zu machen.

 

1. Besuch des städtischen Wertstoffhofes

Der gemeinsame Tag mit dem Abfallberaterder Stadt Landau war für die Klasse be-eindruckend. Sortiert nach Metall, Holz, Plastik und organischem Material türmten
sich unterschiedlich große Berge vor den Kindern auf. Sie hörten, wie vielMüll pro
Tag durch die Bewohner derStadt erzeugt wird und wasmit den Müllbergen an-schließend passiert. Die Kinderstellten fest, dass da ja noch so viel ist, was man
gebrauchen könnte! Sie waren sofort sicher, hier ausreichend Material zu finden, um
damit ihre Slumhütte zu bauen.

 

2.  Beschaffung der Materialien gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern

Am nächsten Projekttag wurde entschieden, eine Holzgerüstkonstruktion aus den
Stämmen von Weihnachtsbäumen zu bauen, die gerade überall entsorgt wurden.
Dieses Gerüst sollte durch alte Holzbretter versteift werden, auf denen Konserven-dosen alsDach- und Wandschindeln zu befestigt wären. AlsTür wurde ein Vorhang
aus Schnüren geplant, in die Korken eingeknotet werden sollten.
In die anschließend folgende Materialsammelaktion war die gesamte Schule einge-bunden, denn es wurden viele leere Konservendosen, viele Weinkorken und einige
abgeschmückte Weihnachtsbäume gebraucht. Draht und Nägel benötigte man natür-lich auch. Die durften ruhig rostig oder krumm sein, denn man konnte sie ja wieder
gerade klopfen. Allseits wurde fleißig gesammelt, so dass die Projektgruppe bald mit
den Bauarbeiten loslegen konnte.


3.  Beginn der Arbeiten an der Slumhütte
Nun begann die körperliche Arbeit. Da klarwar, dass die Fertigung der Blechschin-deln am meisten Zeit beanspruchen würde, wurde mit dieser Tätigkeit angefangen:
Die Konservendosen wurden beidseitig geöffnet und anschließend mit einer Blech-schere auf der Längsseite aufgeschnitten. Scharfe Blechkanten wurden nachgearbei-tet. Dann wurden die Dosen flach gedrücktund mit einem Hammer platt geklopft.
Das machte zwar viel Krach, bereitete aber Jungen wie Mädchen besonders viel
Spaß.
Seit Beginn des Projektes war ein Filmteam dabei, welchesdas Projekt für den Offe-nen Kanal Landau dokumentierte. Aufregend war das am Anfang schon, doch zwi-schenzeitlich hatten sich die Kinder an das Team gewöhnt und nahmen es kaum
noch wahr. Sie durften sogar ab und zu mal durch die Kamera schauen und ein paar
Sekunden selber filmen.
Parallel zuden Bauarbeiten war eine Planungsgruppe weiterhin aktiv. Wie groß sollte
die Slumhütte nun werden, wie viele Konservendosen würden insgesamt erforderlich
sein, wie viele Gerüststangen würde man brauchen? Würden die Bretter für die Un-terkonstruktion ausreichen? Wie berechnet man überhaupt die notwendigen Mas-sen? Und überhaupt – was ist mit der Statik – würde die Hütte stabil stehen können?
Den Schülerinnen und Schülern wurde deutlich, dass es bei diesem Projekt um
ganzheitliches Lernen an realen Anforderungen geht. Es kamen organisatorische,
rechnerische, logistische und noch viele andere Fragen zusammen, die sie lösen
mussten.
Am nächsten Arbeitstag wurden die Weihnachtsbäume entastet und auf die benötig-te Länge geschnitten. Das Hämmern der anderen Kinder, die weiterhin Konserven-dosen platt machten, war die Begleitmusikdabei. Das Holzgerüst wurde in den
nächsten Tagen so vormontiert, dass es späterin sechsTeilen für den Transport und
die Lagerung zerlegt werden kann.
Beim folgenden Arbeitseinsatz wurden die Bretter auf die Unterkonstruktion aus
Weihnachtsbaumstämmen montiert. Ein paar kleinere Blessuren gibt es dabei schon
hin und wieder, trotz Arbeitshandschuhen. Doch die selbst ernannte „Kranken-schwester“ freute sich, dass sie was zu tun hatte und verteilte großzügig Pflaster und
Tupfer.
Der nächsteProjekttag versprach spannend zu werden: Würde die Montage der platt
geklopften Konservendosenschindeln auf der Unterkonstruktion klappen? Wie sollten
die Schindeln eigentlich befestigt werden, damit kein Wasser in die Hütte rinnt? Die
anstehende Arbeit war nicht ganz einfach,doch bald hatten sich ein paar Spezialis-ten gefunden, die sie gut meisterten. Die Gruppe brauchte jedoch noch einen ganzen
weiteren Arbeitstag, bis die erste Seite der Slumhütte fertiggestellt war. Inzwischen
konnte man sich so langsam vorstellen, wie das Endergebnis wohl aussehen würde.


4.  Besuch des städtischen Weltladens
Während der Bautätigkeit wurde viel überdie Menschen gesprochen, die in einer
Slumhütte leben. Es wurde über die Gründe für die Armut in Ländern des Südens
geredet, aber auch über Produkte, die wir aus diesen Ländern erhalten wie z. B. Kaf-fee, Tee oder Kunsthandwerk. Ein Besuchim Weltladen in Landau brachte weitere
und genauere Informationen. Dort wurde eine breitePalette von Erzeugnissen prä-sentiert. Zudem wurden die Kinder über den Fairen Handel aufgeklärt und es wurden
ihnen Beispiele genannt, wie sie sich selbst für eine gerechtere Welt engagieren
können.
Bei der Arbeit an der Hütte war bald festgestellt worden, dass die Arbeit mit großen
Konservendosen schneller voranschreitet. Also gingen Mitglieder der Projektgruppe
in Kliniken und Restaurants und fragten inden Großküchen nach entsprechenden
Dosen. Das Personal war sehrhilfsbereit und sicherte mit den Kindern die kostbaren
„Rohstoffe“.


5.  Präsentation der ersten Ergebnisse im Radio
Für den kommenden Arbeitstag hatte sich dasRadio angekündigt. Diese Information
hatte sich schnell in der Klasseherumgesprochen, und alle waren ein bisschen auf-geregt. Aber schon war die Dame vom Radio da und beruhigte die erregten Gemü-ter. Später stellten die Kinder fest: Es hat Spaß gemacht! Die Frage war nur:Wann
kommen wir denn im Radio - aufwelchem Sender? Die Redakteurin versprach, ei-nen Mitschnitt zuzuschicken, für alle, die die Sendezeit im Radio verpassen sollten.


6.  Fertigstellung der Hütte und Bericht in der Zeitung
Nach weiteren gemeinsamen Arbeitstagen kam dann endlich der große Augenblick.
Die Slumhütte wurde erstmalig probeweise montiert. Es klappte alles. Jetzt musste
nur noch der Türvorhang aus Korkenschnüren fertig gestellt werden. Eine Journalis-tin von derortsansässigen Zeitung war auch da und ließ sich von den Schülerinnen
und Schülern erzählen, wie sie das Projekt erlebt hatten.Am nächsten Tag erschien
der Artikel in der Zeitung – und auch wenn es keiner so direkt zugeben wollte, jeder
war ein bisschen stolz.


Nachbetrachtung und Erfahrungen
Durch das Projekt Slumhütte wird den Kindern eine Wertschätzung für die vorhande-nen Ressourcen vermittelt. Darüber hinauserhalten sie mit demkonkreten Beispiel
ein Verständnis für die Lebensumstände, indenen viele Kinder in Ländern des Sü-dens aufwachsen. Der Bau derSlumhütte ist hierbei als ein Vehikel zuverstehen.
Über das lebendige Projekt werden auf spielerische Art und Weise verschiedene
Themen aus den Bereichen „Eine Welt“ und „Lokale Agenda“ transportiert. Geleitet
wird das Projekt in weiten Teilen durch die Neugier der Kinder, durch dasInteresse,
durch Fragestellungen, die sich imRahmen der Projektentwicklung ergeben.
Bei entsprechender Offenheit der Begleiterinnen und Begleiter des Projektes ist es
gut möglich, situationsorientiert zu arbeiten. Überall in Deutschland gibt es Menschen
aus Ländern des Südens, die für ein Gespräch mit Schulkindern gerne zur Verfügung
stehen. Es gibt eine Fülle von entwicklungspolitischen Materialien, die für den Ein-satz in der Schule geeignet sind. Auch gibt es Agenda-Gruppen, die man in den Un-terricht einbinden könnte.
Wichtig für den Einstieg in die Thematik „Eine Welt“ und „Lokale Agenda“ scheint die
Lebendigkeit desProjektes, die Authentizität. Dieseshängtim großen Maßevon den
Personen ab, die das Projekt begleiten. Rückkehrerinnen und Rückkehreraus den
verschiedenen (Entwicklungs)-Diensten könnten hier einewichtige Aufgabe wahr-nehmen.
Für die Motivation der beteiligten Kinder, für das Erreichen eines Multiplikatoreneffek-tes an weiteren Schulen und um auch in die Bevölkerung hinein zu wirken und diese
für die Thematik zu sensibilisieren, ist eswesentlich, ein solchesProjekt möglichst
vielfältig einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dies wurde im vorliegenden Fal-le von vorneherein mit eingeplant und durch den Einbezug des Offenen Kanals, des
Rundfunksund der Presse auch realisiert. Bei verschiedenen Anlässen wurde die
Slumhütte mittlerweile bereits mehrfach präsentiert und diente dabei auch alsreales
Anschauungsobjekt bei Lehrerfortbildungsveranstaltungen.

Hilfsmittel

Präsentationsmaterial (Infos, typische Gegenstände) aus Haiti, Natur-, Rest- und Abfallmaterialien (werden im Laufe des Projekts gemeinsam beschafft)

Literatur: Pädagogisches Zentrum Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Schulgarten International, Heftreihe "umwelterziehung praktisch" Nr. 46, Bad Kreuznach 2003

Film-CD: Über Frau und Herrn Schäfer, ca. 3 Minuten, Bestellung unter info@stadt-und-natur.de

 

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