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Theaterworkshop der Reihe "Die Zukunft wird verspielt..." am 06.-08. Oktober 2017
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Theaterworkshop der Reihe "Die Zukunft wird verspielt..." vom 24. bis 26. November 2017
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Nachgefragt

„Weltweite Verantwortung“ in der Erd-Charta

Viele Menschen fühlen sich gelähmt und überwältigt, wenn sie mit dem Ausmaß unserer globalen Umweltprobleme konfrontiert werden. „Was kann ich denn bitteschön als Einzelner gegen das Schmelzen eines Geltschers oder das Ansteigen eines Meeresspiegels tun?“ Die Erd-Charta bietet hier eine Orientierung. Sie formuliert „eng zusammenhängende Grundsätze für einen nachhaltigen Lebensstil“, die so formuliert sind, dass sie für „Organisationen, Unternehmen, Regierungen und übernationale Einrichtungen“, aber auch für „jeden Einzelnen“ einen Orientierungsrahmen und moralischen Kompass bieten.

Dabei ist es ein besonderes Merkmal der Erd-Charta, dass sie aus einer globalen Perspektive heraus die Frage nach der persönlichen Verantwortung stellt. Bemerkenswert ist, an welcher Stelle die Erd-Charta die Verantwortungsfrage thematisiert. So werden zunächst die großen Herausforderungen unserer Zeit skizziert, dann wird eine Art Weltraum-Außenperspektive auf „die Erde – unsere Heimat“ eingenommen und die vorherrschenden Konsummuster als eine der Hauptursachen für unsere globale Krise ausgemacht.

Um der Krise zu begegnen, fordert die Erd-Charta „grundlegende Änderungen unserer Werte, Institutionen und Lebensweise“ und rät: „Sind die Grundbedürfnisse erst einmal befriedigt, dann bedeutet menschliche Entwicklung vorrangig ‚mehr Sein’ und nicht ‚mehr Haben’.“ Der folgende, fünfte Abschnitt der Erd-Charta fragt danach, was nötig ist, um diese grundlegenden Änderungen auf den Weg zu bringen, und es ist dieser Absatz, der unter der Überschrift „weltweite Verantwortung“ steht.

Darin heißt es: „Um diese Wünsche zu verwirklichen, müssen wir uns entschließen, in weltweiter Verantwortung zu leben und uns mit der ganzen Menschheit genauso zu identifizieren wie mit unseren Gemeinschaften vor Ort. Wir sind zugleich Bügerinnen und Bürger verschiedener Nationen und der Einen Welt, in der Lokales und Globales mit einander verknüpft ist“.

Hier beschreibt die Erd-Charta also eine grundlegende Geisteshaltung, die uns Kraft und Motivation geben kann, um die nötigen Veränderungen im eigenen Leben zu bewirken, und das ist bekanntlich eine der schwierigsten Übungen: Die Probleme nicht nur zu beklagen und von anderen (den Mächtigen, den Regierungen, der Wirtschaft) eine Veränderung einzufordern, sondern selbst den Wandel in kleinen, mitunter zähen Schritten umzusetzen und zu leben.

Was nur wenige wissen: den Begriff der „universellen Verantwortung“, der im englischen Erd-Charta-Text verwendet wird, hat Anfang der 1990er Jahre insbesondere der Dalai Lama durch verschiedene Reden in den öffentlichen Diskurs eingebracht. So hat der Dalai Lama in vielen seiner öffentlichen Auftritte die Notwendigkeit betont, ein globales Bewusstsein zu entwickeln, alle Menschen als Teil einer gemeinsamen Menschheitsfamilie zu sehen und lokale Probleme vor einem globalen Horizont zu betrachten.

Schon bei seiner Nobelpreisrede im Jahr 1989 sagte er: „Wir müssen eine universelle Verantwortung für einander und den Planeten, den wir teilen, entwickeln.“ Bei seiner Rede auf dem historischen „Erd-Gipfel“ in Rio de Janeiro im Jahr 1992 führte er aus:

„Um der Herausforderung unserer Zeit zu begegnen, glaube ich, dass die Menschen ein größeres Verständnis ihrer universellen Verantwortung entwickeln sollten. Jeder von uns sollte lernen, nicht nur für sich selbst, für seine oder ihre Familie oder Nation zu arbeiten, sondern für das Wohl der ganzen Menschheit. Weltweite Verantwortung ist der wahre Schlüssel für das menschliche Überleben. Sie ist das beste Fundament für den Weltfrieden, einen ausgewogenen Gebrauch der natürlichen Ressourcen und – durch die Sorge für zukünftige Generationen – auch für einen echten Schutz der Umwelt.“

In derselben Rede erklärte der Dalai Lama: „Ob wir es mögen oder nicht, wir sind auf dieser Erde geboren worden als Teil einer großen Familie. Ob wir nun arm oder reich, gebildet oder ungebildet sind oder dieser oder jener Nation oder Ideologie angehören, letztendlich ist jeder von uns ein Mensch wie jeder andere. Darüber hinaus hat jeder Mensch das gleiche Recht, glücklich zu sein und Leiden zu vermeiden. Wenn man versteht, dass alle Wesen in diesem grundlegenden Punkt gleich sind, entsteht automatisch Empathie. Und aus dieser Empathie erwächst wiederum ein natürliches Verständnis weltweiter Verantwortung; der Wunsch, anderen aktiv zu helfen, ihre Probleme zu lösen.“

Erd-Charta Kommissionär Rabbi Soetendorp findet für die Notwendigkeit einer weltweiten Empathie folgendes Bild: „Wir Menschen auf der Welt bilden einen gemeinsamen Körper. Wenn es einem Teil dieses Körpers schlecht geht, fühlen wir alle den Schmerz.“

Aus einem Briefverkehr zwischen Steven Rockefeller, der die Erd-Charta Entwurfskommission geleitet hat, und dem Büro des Dalai Lama geht hervor, dass die Aussagen des Dalai Lama zur universellen Verantwortung eine wichtige Inspirationsquelle für die Verfasser der Erd-Charta waren. In einem vom Dalai Lama in Auftrag gegebenen Brief an die Erd-Charta Entwurfskommission aus dem Jahr 1999, der mir vorliegt, bemerkt das Umweltbüro der tibetischen Exilregierung: „Von einem Standpunkt des tibetischen Buddhismus aus ist menschliche Entwicklung sowohl spirituell als auch physisch. Die innere Entwicklung des Geistes ist der rein physischen Entwicklung weit überlegen, um wirkliches Glück im Leben zu erlangen. In dieser vom Materialismus geprägten Welt sind viele ökologische Probleme vom Menschen gemacht. Um diese Probleme zu lösen, ist eine moralische und spirituelle Bildung dringend geboten, um unsere Mutter Erde zu retten. Kurz, wir müssen lernen, mit dem zufrieden zu sein, was wir haben, und nicht nach immer mehr zu fragen. Wir müssen die Ressourcen der Erde nutzen, um unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen, nicht unsere Gier.“

Damit stand der Dalai Lama, und mit ihm auch viele weitere spirituelle Lehrer verschiedener asiatischer Traditionen, auch Pate für die Betonung eines am Sein und der Entfaltung innerer Werte und Qualitäten orientierten Entwicklungs- und Lebensstils. Die Gegenüberstellung von „Sein“ und „Haben“ geht indes auf Erich Fromm zurück, der wiederum sowohl in der westlichen Welt als auch in Asien hohes Ansehen genießt. Hierbei wird wiederum deutlich, mit wie viel Sorgfalt die Worte der Erd-Charta gewählt wurden, um einen kulturübergreifenden Brückenschlag zu finden, und zugleich eine Sprache zu formulieren, die auch für rein säkular ausgerichtete Menschen und Institutionen zugänglich ist.

Wenn wir tief über unsere weltweite Verantwortung reflektieren und ein Bewusstsein für unsere Verbundenheit mit der gesamten Menschheitsfamilie und der Gemeinschaft des Lebens entwickeln, werden wir intuitiv erspüren, wie und wo wir in unserem Alltag anfangen können, um den Wandel zu leben.

 

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