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Interreligiösen Begegnungen der „Global Peace Initiative of Women"

auf der UN-Klimakonferenz in Bonn im November 2017

„Wir haben aus allem ein Geschäft gemacht“ - Indigene Perspektiven zur Heiligkeit des Wassers und der Erde während der UN-Klimakonferenz in Bonn

Am Rande der UN-Klimakonferenz nahmen Michael Slaby und Kerstin Veigt im November 2017 an zwei interreligiösen Begegnungen der „Global Peace Initiative of Women“ (GPIW) teil. Die Friedensinitiative GPIW, die eng mit Erd-Charta International zusammenarbeitet, hatte VertreterInnen verschiedener indigener und spiritueller Traditionen sowie junge AktivistInnen aus allen Teilen der Welt eingeladen, die Heiligkeit des Wassers und den Respekt gegenüber der Erde zu vertiefen.

 

 

 

 

Benke Piako Ashaninka aus Brasilien (2. von links) im Gespräch mit Hanne Strong (rechts im Bild)

Besonders berührt mich die Atmosphäre, die in unserem rituellen Gebetskreis am Fluss entsteht, als sich alle Anwesenden still für sich, auf ihre je eigene Art mit dem Wasser verbinden, ihm danken und es segnen. In diesem Moment kommt die Sonne zum ersten Mal an diesem Tag durch die Wolkendecke.

Diese Zeremonie wird von Benke Piyako, einer Führungspersönlichkeit der Aschaninka aus dem brasilianischen Amazonasgebiet, und Tiokasin Ghosthorse, einem Aktivisten der Cheyenne River Lakota Nation von South Dakota, USA eröffnet, deren Worte ich hier teilen möchte.

„Wir haben aus allem ein Geschäft gemacht.“ Tiokasin Ghosthorse, ein Aktivist der Cheyenne River Lakota Nation von South Dakota, USA,  spricht zu dem versammelten Kreis von Menschen, die in der Kälte des Novembers am Rhein stehen. Es ist ihm anzuhören, wie sehr ihn der kommerzialisierte und zerstörerische Umgang mit dem Wasser schmerzt.
„Mni ist das Lakota-Wort für Wasser, und seine Bedeutung geht viel  weiter, als dass es leicht zu übersetzen wäre. Würden wir es in westliche Sprachen nur mit „Wasser als lebendiges Wesen“ bezeichnen, ginge Wesentliches verloren. Ni (nee) ist das „Leben“ und bedeutet auch „Muttermilch“ und „Brust der Mutter“. Das “M” von Mni kann als „Du und ich“ übersetzt werden. Mni heißt „Du und ich, das unsere Gefühle füreinander trägt und durch sich selbst hervorruft“. Wie eine Mutter, die das Wasser des entstehenden Kindes trägt, ist Mni ein lebendiges, handelndes Wesen.

Mni ist die erste Kommunikation, das erste Bewusstsein allen Lebens auf Mutter Erde, das Bewusstsein für die Bewegung, die alles Leben in seiner Kontinuität hervor bringt. Das Lakota-Volk erzählt von Mni in seiner Schöpfungsgeschichte als blaues Blut. Es ist der durchscheinende Spiegel des Universums. Seine Transparenz bietet uns Synergien und wird zum „Wasser des Seins“, wird zu einem Pfad der Schöpfung. Um in die heilige Natur des Wassers zu tauchen, können wir Mutter Erde lauschen und uns nach ihr zu richten, von ihr geführt zu werden und von ihr die Erlaubnis zu erhalten, mit ihren Kräften des Lebens zu sein. Um menschlicher zu werden, wachse über den menschlichen Aspekt des Lebens hinaus und verbinde Dich mit allem, was ist. Bevor ich Wasser trinke, frage ich um Erlaubnis. Wasser gibt mir die Sprache und Verantwortung, die Botschaft des Lebens zu tragen. Wasser ist kein Hauptwort, sondern ein liebendes, sich bewegendes, reinigendes und kraftvolles lebendiges Sein.“

Benke Piyako, Ashaninka aus dem brasilianischen Amazonasgebiet, wird von der Ethnologin Dr. Eliane Ferreira Fernandes übersetzt, die die Aschaninka bei ihrem Widerstand gegen die Abholzung ihres Lebensraums und bei Projekten zum Schutz des Waldes unterstützt. Auch er schildert uns seine in die westliche Denkweise nicht eins zu eins übersetzbare Weltsicht:
„Ich sehe die Erde als meinen Körper. Ich sehe mein Herz als das Wasser. Ich sehe die Flüsse wie die Venen in meinem Körper. Ich sehe meine Lungen wie die Wälder der Erde. Ich sehe mein Gehirn wie die Welt. Wenn wir nachsinnen und verstehen, wer wir sind, verstehen wir, was die Erde bedeutet. Das Wasser ist der Geist des Lebens - alle menschlichen Wesen nährend. Ohne Wasser können wir nicht lebendig sein. Der Schöpfer gab uns diese Weisung: Achte auf Dich selbst. Achte auf die Erde als einen Teil von Dir selbst. Alle menschlichen Wesen sind miteinander verbunden, und dieses Verbundensein nährt eure energetische Welt.

Ich höre heute viele wundervolle Worte. Sie lassen mich nachdenken. In der Geschichte meines Volkes, der Ashaninka, heißt es, dass wir alles zu lernen haben, was die Natur uns lehrt, doch wir können nicht alles auf einmal tragen. Wir tragen unsere Kleidung und unsere wichtigsten Gegenstände. Überall, wohin ich komme, finde ich Geschenke der Erde.

Heute sind wir mit großen Schwierigkeiten konfrontiert. Die Wissenschaften. haben alles in separate Teile gespalten. Sie haben alles in ein Geschäft verwandelt. Doch wenn alles zu einem Geschäft geworden ist, was machen wir dann jetzt? Wir indigenen Völker tragen altes Wissen unserer Großeltern in uns. Wir haben dieses Wissen, wie die Welt wieder Orientierung gewinnen kann. Wir haben so viel Schönheit in unseren Wäldern. Wir haben so viel Wohlstand. Die Natur gibt uns alles ohne etwas von uns zu verlangen. In dem Lied, was ich singe geht es um einen neuen Weg, um weiter auf dieser Erde leben zu können. Es ist Zeit für uns indigene Führungspersönlichkeiten, zusammen zu kommen und der Welt eine Lösung zu schenken.“

Foto: Kerstin Veigt

 

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