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Die Erd-Charta für Jugendliche

Wir leben in einer Zeit, in der die Zukunft der Menschheit und des Lebens auf der Erde bedroht ist. Die Länder und Kulturen auf der Erde sind zwar sehr verschieden, bilden aber doch eine Gemeinschaft. Und wir müssen alle zusammenarbeiten, um unsere Umwelt zu schützen, die Menschenrechte durchzusetzen und so eine Welt zu schaffen, in der alle in Frieden und Gerechtigkeit leben können. Das sind wir uns und unseren Kindern schuldig.

 

Die Erde, unser Zuhause

Die Erde ist Teil eines riesigen Universums. Sie ist voller Leben, mit einer Vielfalt von Pflanzen, Tieren und Menschen. Zum Überleben brauchen wir Menschen die Erde, das Wasser, Pflanzen und Tiere und ein funktionierendes Klima. Daher ist es unsere Pflicht, die Schönheit und den Reichtum der Erde zu bewahren.

 

Die Situation der Welt

Die Art, wie wir heutzutage leben und arbeiten, zerstört die Umwelt. Durch die Herstellung und den Verbrauch von großen Mengen an Gütern erschöpfen wir langsam die natürlichen Ressourcen wie Wasser, Luft, Wälder und den Boden. Gleichzeitig sind dadurch viele Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Die Erträge der wirtschaftlichen Entwicklung werden zudem nicht gerecht verteilt. Der Graben zwischen Arm und Reich vertieft sich. Ungerechtigkeit und Unterdrückung, Kriege und Hunger sind weit verbreitet. All das muss nicht sein. Wir können diese Probleme überwinden, wenn wir es wirklich wollen.

 

Die Herausforderung: Was können wir dagegen tun?

Wir haben die Wahl: Entweder schließen wir uns zusammen, um die Erde zu retten, oder wir riskieren, letzten Endes uns selbst und das Leben auf der Erde zu vernichten. Wir müssen einiges ändern, in dem, was wir tun und wie wir es tun. Wichtig ist vor allem, dass kein Mensch mehr zu verhungern braucht sondern bekommt, was zum Leben nötig ist. Wir haben das Wissen, den Reichtum und die Technik, um das zu erreichen.


Wenn wir erkennen, dass wahre Lebensfreude nicht von dem kommt, was wir haben, sondern davon, wer wir sind, sind wir freier zu teilen oder zu verschenken. Wenn wir es aufgeben, nach immer mehr Kleidung, Autos und anderen Gütern zu streben, werden wir die vorhandenen Güter auch besser verteilen können, sodass jeder Mensch bei uns und auf der ganzen Welt gut leben kann. Wir können schon jetzt damit beginnen eine Welt zu schaffen, die für alle menschlicher und besser ist.

 

Wir sind verantwortlich

Um etwas auf der Welt verändern zu können, müssen wir Verantwortung für alle unsere Handlungen tragen, denn alles was wir tun, wirkt sich aus auf alles was lebt, mit anderen Worten: auf unserem Planeten ist alles miteinander vernetzt. Wir müssen uns genau überlegen, wie wir mit den Wäldern, Flüssen, Meeren, dem Klima umgehen, und wie wir Pflanzen und Tiere schützen können. Wir müssen uns auch Gedanken darüber machen, wie wir unsere Mitmenschen behandeln. Als erstes können wir uns um den Ort kümmern, an dem wir leben, denn wir sind Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, aber gleichzeitig auch Bürgerinnen und Bürger der gesamten Welt.


Das Leben auf der Welt ist ein Wunder, seine Vielfalt ist erstaunlich. Um die Natur zu schützen und Kriege, Armut und Ungerechtigkeit zu beseitigen, einigen wir uns auf die folgenden 16 Grundsätze. Sie sind so etwas wie Grundregeln, die das Verhalten von jedem Einzelnen, aber auch von Unternehmen und Regierungen bestimmen sollen.

 

I. Achtung vor dem Leben, Schutz für alle Lebewesen

1. Achte unsere Erde und alles Lebendige: Menschen, Tiere und Pflanzen

  • Jedes Lebewesen hat seine ganz bestimmte Bedeutung und alle hängen voneinander ab. Jeder Mensch ist einmalig und wichtig.

2. Behandle alles Lebendige mit Verständnis, Mitgefühl und Liebe

  • Wer natürliche Ressourcen nutzt, hat die Pflicht, Umweltschäden zu vermeiden. Unsere Verant­wortung wächst in dem Maße, je mehr wir technisch in der Lage sind, die Natur zu zerstören.


3. Hilf mit, eine gerechte und friedliche demokratische Gesellschaft aufzubauen, in der jeder mitentscheiden kann

  • Tue dich mit Menschen zusammen, die alle gleich behandeln und in Frieden miteinander leben und arbeiten wollen. Die Menschenrechte müssen überall gelten, jeder Mensch hat ein Recht auf Freiheit und soll sich nach seinem Wunsch entwickeln und entfalten können.

  • Soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit muss gefördert werden, damit jeder Mensch ein gesichertes und erfülltes Leben führen kann.

4. Hilf mit, die Schönheit und Vielfalt der Erde heute und für zukünftige Generationen zu sichern

  • Handle so, dass auch zukünftige Generationen noch eine Welt vorfinden, in der sie gut leben können und die Folgen unserer Handlungen nicht die Zukunft zerstören*.

    * Die nordamerikanischen Hopi-Indianer, die an der Entstehung der Erd-Charta mitgewirkt haben, haben vorgeschlagen, immer die Folgen für die 7. Generation unserer Kindes-Kinder abzuwägen, und dann danach zu entscheiden.

          Um diese vier weit reichenden Verpflichtungen zu erfüllen, ist Folgendes notwendig:

II. Ökologie: Auf der Erde hängt alles zusammen

5. Die Ökosysteme der Erde und die Vielfalt der Pflanzen und Tiere schützen

  • Es ist notwendig, die natürlichen Prozesse zu erhalten, die für das Leben auf der Erde wichtig sind (Beispiel: ein funktionierendes Klima).

  • Ressourcen wie Wasser, Bäume, Fische sollten nicht stärker verbraucht werden, als sie nachwachsen können.

  • Erdöl und andere Ressourcen erneuern sich nicht. In wenigen Jahren wird nur noch wenig davon auf der Erde da sein, wenn wir nicht sehr viel sparsamer damit umgehen.

  • Es ist nötig, die Genmanipulation zu verhindern.


6. Schäden vermeiden, bevor sie entstehen: Wenn ich die Folgen nicht genau kenne, lieber vorsichtig sein.

  • Wenn die Wissenschaft nicht genug über die Folgen einer bestimmten Technologie weiß, sollte man vorsichtig handeln, damit Umweltschäden vermieden werden [Vorsorgeprinzip].

  • Wenn man nicht weiß, ob eine neue Technologie oder ein neues Produkt umweltschädlich ist, müssen die Unternehmen Beweise liefern, dass das Produkt nicht umweltschädlich ist [Beweislastumkehr].

  • Die Verursacher von Umweltschäden sind auch dafür verantwortlich und müssen für die Reparatur zahlen. [Verursacherprinzip].

  • Radioaktive, giftige oder auf andere Weise gefährlichen Stoffe sind zu vermeiden.


7. Bei allem, was wir produzieren und konsumieren, sind drei Dinge zu beachten: Die Natur, die Menschenrechte und das Wohlergehen aller

  • Die Materialien, die wir produzieren, sollten wir wieder verwenden und recyceln.

  • Wir müssen Energie sparen und erneuerbare Energien nutzen: Sonne, Wind, Wasser…

  • Jeder Mensch muss Zugang zu einem Gesundheitssystem haben und es sich leisten können.


8. Lernen und erforschen, wie die Natur erhalten werden kann

  • Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der ganzen Welt müssen gemeinsam erforschen, wie wir unseren Planeten erhalten können.

  • Alle Kulturen und Religionen haben ökologische Weisheiten; diese mit einbringen.

  • Jeder muss die Informationen bekommen können darüber, was für die menschliche Gesundheit und für den Umweltschutz wichtig ist.

III. Gerechtigkeit für alle

9. Armut beseitigen

  • Jeder Mensch hat ein Recht auf Trinkwasser, saubere Luft, gute Ernährung, unvergiftete Böden, ein Dach über dem Kopf und ein sicheres Gesundheitswesen.

  • Jeder Mensch muss die Chance haben, zur Schule zu gehen, damit er oder sie sich später selbst versorgen kann.

  • Diejenigen, die sich nicht selbst versorgen können, müssen gut betreut werden.


10. Verhindern, dass wirtschaftliche Tätigkeiten im Gegensatz zu Gerechtigkeit und Umwelt stehen

  • Der Reichtum muss in unserem Land und international gerecht verteilt werden.

  • Die ärmeren Staaten müssen von den Schulden befreit werden, sie brauchen mehr Mittel, um sich zu entwickeln.

  • Die transnationalen Konzerne und die Weltwirtschaftsorganisationen müssen die Grenzen der Belastbarkeit der Natur und die Bedürfnisse der Arbeiterinnen und Arbeiter respektieren.


11. Männer und Frauen haben gleiche Rechte, sollten eine Ausbildung bekommen können und gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten

  • Keine Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

  • Frauen sollten wie Männer in allen Bereichen der Politik und Wirtschaft an den Entscheidungsstellen sein.


12. Jeder Mensch hat das Recht auf eine natürliche und menschenwürdige Umwelt. Minderheiten und Ureinwohner haben besondere Rechte

  • Niemand darf aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion, Sprache, sozialer Herkunft oder nationaler Zugehörigkeit benachteiligt oder unterdrückt werden.

  • Das Recht der Ureinwohner auf einen eigenen Lebensstil, eine eigene Religion und Land bestätigen.

  • Überall besonders junge Menschen unterstützen.

IV. Demokratie, Gewaltfreiheit und Frieden

13. Gleiche Rechte für alle und Mitbestimmung auf allen Ebenen

  • Jeder Mensch hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern, abweichende Meinungen zu haben, sich frei zu informieren und sich mit anderen friedlich zu versammeln. Wichtige Informationen müssen für alle zugänglich sein.

  • Jeder hat ein Recht auf unabhängige Gerichtsverfahren, auch wenn es um Umweltschäden geht.

14. Die Schule muss das Wissen, die Werte und die Fähigkeiten vermitteln, die nötig sind, gerecht und umweltverträglich zu leben

  • Das gilt auch für die Massenmedien.
  • Auch durch Kunst und Kultur, ganz fantasievoll, sollen neue Wege beschritten werden.


15. Alle Lebewesen rücksichtsvoll behandeln

  • Haus- und Hoftiere vor Grausamkeit und Leiden schützen.

  • Frei lebende Tiere vor solchen Methoden der Jagd und des Fischfanges schützen, die extremes oder unnötig langes Leiden verursachen.

16. Toleranz, Gewaltlosigkeit und Frieden fördern

  • Gegenseitiges Verstehen und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kulturen und Nationalitäten fördern.
  • Konflikte friedlich lösen.

Der Weg der vor uns liegt

Wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit fordert uns unser gemeinsames Schicksal dazu auf, einen neuen Anfang zu wagen. Die Grundsätze der Erd-Charta können für uns eine Richtlinie sein. Wenn wir uns die Werte und Ziele zu eigen machen und täglich danach leben, fördern wir den notwendigen Wandel in unserem Bewusstsein und in unseren Herzen. Es geht darum, die gegenseitige Abhängigkeit und Verbundenheit allen Lebens neu zu begreifen.

Wir brauchen Fantasie, um einen Lebensstil zu entwickeln, der umweltfreundlich und friedlich ist. Die kulturelle Vielfalt auf der Erde ist ein Schatz, in jeder Kultur gibt es alte Träume und neue Ideen, die uns weiterbringen. Lasst uns voneinander lernen!

Leben beinhaltet häufig Widersprüche zwischen wichtigen Werten. Das kann schwierige Entscheidungen bedeuten. Aber wir müssen Wege finden, um Freiheit mit Gemeinwohl zu versöhnen und kurzfristige Wünsche mit langfristigen Zielen. Jeder Einzelne, jede Familie, jede Gemeinschaft spielt eine wichtige Rolle. Kunst und Kultur, Schule und Wissenschaft, Religionen, Medien, Wirtschaft und Regierungen sind aufgerufen, ihren Teil dazu beizutragen, dass wir unsere globalen Probleme in den Griff bekommen. Die Erd-Charta ist dabei wie eine Landkarte, die zeigt, in welche Richtung wir gehen müssen, um gemeinsam Lösungen zu finden. Die Staaten und Regierungen der Welt sind aufgefordert, die Erd-Charta anzunehmen und Gesetze zu erlassen, die auf den Prinzipien der Erd-Charta beruhen.


Lasst uns so leben, dass man sich in der Zukunft an unsre Zeit erinnern wird

als eine Zeit, in der eine neue Ehrfurcht vor dem Leben erwachte

als eine Zeit, in der Gerechtigkeit und eine Entwicklung, die die Zukunft nicht zerstört, entschlossen auf den Weg gebracht wurde,
als eine Zeit, in der das Streben nach Gerechtigkeit und Frieden neuen Auftrieb bekam
und als eine Zeit der freudigen Feier des Lebens.

 

 


Die Erd-Charta für Jugendliche wurde übersetzt von Michael Slaby und Anja Becker, die Anregungen verschiedenster Erd-Charta-Aktiver flossen darin ein. Aktualisierte Fassung 2011.

Hier findest du die Erd-Charta für Jugendliche als pdf

 

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