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Wege aus der Konsumfalle

Regionalkonferenz "Nachhaltig handeln" am 29. und 30. Oktober 2016 in Marburg

Nach der Veranstaltung mit 200 Teilnehmenden sprach Kerstin Veigt (Koordinatorin der Erd-Charta Bildung und Vernetzung) mit Franziska Weigand, der Initiatorin und Mitorganisatorinnen der Konferenz.

KV: Franziska, in Erd-Charta Kreisen bist Du für Dein vielfältiges Engagement bereits bekannt. So hast Du zum einen als Graphikerin Erd-Charta-Veröffentlichungen wie das Erd-Charta Praxishandbuch illustriert und zum anderen das Marburger BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung)-Netzwerk koordiniert und ein Online-Forum für die Region aufgebaut. Bei beiden ist die Erd-Charta das Bezugsdokument. Dann hattest Du im Sommer 2015 bei einem Netzwerktreffen in Marburg die zündende Idee zu einer Regionalkonferenz - mit der Erd-Charta als Rahmen. Ich erinnere mich, dass Dein Vorschlag gleich lebendig und ideenreich aufgenommen wurde....

FW: Ja, bekanntermaßen liegt in jedem Anfang ein Zauber! Es war unglaublich motivierend, mitzuerleben, wie begeistert die BNE-Akteure die Idee zu einer gemeinsamen Konferenz aufgenommen haben. Wir konnten schon auf dem gleichen Treffen mit einer tollen Ideensammlung und einer festen Gruppe starten, die Taten folgen lassen wollten. Eine der ersten Ideen war es beispielsweise, die Konferenz mit einer öffentlichen und medienwirksamen Erd-Charta-Unterzeichnung durch Landrätin und Bürgermeister zu verknüpfen und gleichzeitig auch die TeilnehmerInnen einzuladen, sich ebenfalls mit einer Unterschrift zu den Grundsätzen der Erd-Charta zu bekennen. Und tatsächlich haben wir es geschafft, dass sich sowohl der Landkreis als auch die Stadt aktiv an der Konferenz beteiligt haben, was in Zeiten von hiesiger Haushaltssperre und Personalumstrukturierungen ein kleines Wunder war! Die Landrätin Kirsten Fründt hat die Erd-Charta als Einzelperson unterzeichnet. Und auch wenn natürlich nicht alles ganz so geklappt hat, was wir uns das ursprünglich gewünscht haben, konnten wir doch sehr viel davon umsetzen und stolz auf eine gelungene Konferenz sein!

KV: Es ist ein bemerkenswert breites Bündnis aus so verschiedenen Akteuren der Marburger Nachhaltigkeitsszene, Einzelpersonen, NGOs, Gruppen, Erd-Charta BotschafterInnen und Vertretern der Stadt und des Landkreises entstanden.

FW: Darüber staune ich selbst! Auch wenn sich innerhalb der Nachhaltigkeitsszene auch immer wieder Gräben und Fronten auftun, hat es in Bezug auf die Regionalkonferenz doch gut geklappt, viele unterschiedliche Interessen und Ansichten zu integrieren. Vielleicht ist das Veranstaltungsformat einfach offen genug, so dass jedeR seinen Platz finden kann? Immerhin bieten die zwei Veranstaltungstage viel Raum für unterschiedliche und auch kontroverse Methoden und Inhalte.
Aber das ist sicher nicht der einzige Grund für das breite Bündnis. Ich persönlich glaube, dass hier in der Region generell eine erstaunlich hohe Bereitschaft da ist, zu kooperieren und viele Personen und Organisationen seit Jahren schon gut vernetzt sind. Dahinter stehen oft Menschen, die sich schon lange kennen und häufig zusammengearbeitet haben. Denn insgesamt ist die Marburger Region eben doch klein und die Menschen kennen sich halt... Eine weitere Besonderheit ist die Bereitschaft aus Politik und Verwaltung, zivilgesellschaftliche Akteure zu beteiligen, das ist wirklich etwas Besonderes. Ich weiß aus anderen Regionen, dass jahrelang darum gekämpft werden muss, sich bei politischen VertreterInnen Gehör zu verschaffen, und manchmal gelingt es nie...
Schade finde ich, dass wir es nicht geschafft haben, die Unternehmen aus der Region zu beteiligen. Von dieser Seite war das Interesse extrem gering, obwohl die Frage nach Konsum, Lebensstil und Einkaufsverhalten doch auch ihre Umsätze generiert?! In diesem Jahr soll es wieder eine Konferenz geben, dieses Mal soll "Gemeinwohlökonomie" im Vordergrund stehen und wir hoffen, dass sich dafür auch mehr UnternehmerInnen interessieren...

KV: Im diesem ersten Jahr habt Ihr Euch für das Schwerpunktthema Konsum entschieden, die Konferenz trug den Titel "Auswege aus der Konsumfalle". Was war der Hintergrund dafür?

FW: Ich glaube, das war ein Thema, was alle, die an der Konferenz mitgewirkt haben, unmittelbar betrifft und von dem wir hofften, dass es auch alle anderen anspricht. Denn wir alle konsumieren gerne und meistens auch viel, obwohl wir schon wissen, dass unser hiesiger Lebensstil die Erde und auch die globale Gesellschaft an ihre Belastungsgrenze führt. Aber wie können wir uns aus den eigenen Widersprüchen lösen, dem Glücksversprechen des Produktmarketings entkommen, trotzdem die eigenen Bedürfnisse befriedigen und gleichzeitig weder die Umwelt belasten noch andere Menschen ausbeuten? Und natürlich haben wir diese Frage auch auf der Konferenz nicht beantworten können, aber dafür viele mögliche Wege kennenlernen und diskutieren dürfen!
Schade war, dass die Erd-Charta als Dokument für meinen Geschmack etwas kurz gekommen und in der Programmfülle in den Hintergrund gerückt ist. So haben sich für einen der Erd-Charta-Workshops bei all den Parallelworkshops keine TeinehmerInnen gefunden, so dass er ausgefallen ist, obwohl die Frage nach einer Konsumethik und "wert"vollem Konsum für unser Thema entscheidend ist. Da müssen wir uns als Organisatoren beim nächsten Mal genauer fragen, welche Prioritäten wir setzen möchten und wie wir dafür ausreichend Raum geben.

KV: Was hat Dich motiviert, ehrenamtlich eine große Konferenz zu initiieren und mit zu organisieren?

FW: Motiviert hat mich meine Begeisterung für die unglaublich vielen engagierten Menschen in Marburg und Umgebung, die sich so kreativ und mit Überzeugungskraft für eine Veränderung unseres Lebensstils einsetzen. Die machen so viel tolle Arbeit und ermöglichen beeindruckende Projekte! Sehr viele davon arbeiten ehrenamtlich und immer mit knappen Geld- und Zeitressourcen, so dass oft wenig Raum bleibt, sich über das eigene Projekt und die Basisarbeit hinaus zu organisieren oder Öffentlichkeitsarbeit zu machen. An dieser Stelle möchte ich einen Beitrag leisten und Räume schaffen, sich zu vernetzen und durch einen gemeinsamen, starken Auftritt in der Öffentlichkeit sichtbarer zu werden.

KV: Was ist Dir wichtig, über den Kongress selbst zu sagen?

FW: Zwei sehr abwechslungsreiche Tage mit tollen Vorträgen, Workshops, Pro-Action-Café, Ausstellungen, Musik, leckerem Bio-Essen! Aber das ist nur der Rahmen: Lebendig machen es die vielen unterschiedlichen TeilnehmerInnen mit ihren Anliegen, Geschichten, Fragen und Beiträgen. So entsteht eine brodelnde  Atmosphäre aus inspirierenden Gesprächen, erfreulichen Begegnungen, witzigen Situationen und überraschenden Momenten!

Einladung

An beiden Tagen gibt es Vorträge, Workshops und einen Markt der Initiativen, wo zahlreiche hiesige Vereine, Initiativen etc. sich vorstellen, aber es gibt auch prominente Redner wie Nico Peach oder Annette Jensen ("Glücksökonomie"). Musikalisch begleitet Erd-Charta Botschafterin Cat Balou° die Konferenz. Gabi Bott aus dem Ökodorf Siebenlinden bereichert die Begegnungen der regionalen Akteure mit Impulsen aus der Tiefenökologie.
Die Erd-Charta wird - auch mit einer Unterzeichnungsaktion - eine Art roten Faden der Regionalkonferenz bilden.
Eine ausführlichere Projektskizze mit einer derzeitigen Programmplanung gibt es hier:

http://www.nachhaltig-lernen-regionmarburg.de/regionalkonferenz-nachhaltig-handeln-2016

Fotos: Kerstin Veigt, Torben Flörkemeier

 

 

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