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Nachgefragt:

Und was sagt die Erd-Charta zur Großen Transformation?

Mehrere Passagen der Erd-Charta belegen, dass es in der Erd-Charta darum geht, ein ethisches Fundament und eine gemeinsame Vision von Grundwerten für den Großen Wandel zu formulieren. Es ist das Ziel der Erd-Charta, eine globale Partnerschaft für die anstehenden gesellschaftlichen Transformationsprozesse für eine weltweite nachhaltige Entwicklung anzuregen.

So heißt es in der Präambel: „Wir haben die Wahl: Entweder bilden wir eine globale Partnerschaft, um  für die Erde und füreinander zu sorgen, oder wir riskieren, uns selbst und die Vielfalt des Lebens zu Grunde zu richten. Notwendig sind grundlegende Änderungen unserer Werte, Institutionen und Lebensweise.“ Grundlegend für den „Wandel in unserem Bewusstsein und unseren Herzen“, von dem im Schlusswort gesprochen wird ist die Erkenntnis, dass „unsere ökologischen, sozialen und spirituellen Herausforderungen miteinander verknüpft sind“ und wir „nur zusammen umfassende Lösungen entwickeln können.“

Genau darum geht es in den gesellschaftlichen Suchprozessen für die Große Transformation, von denen der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltfragen spricht. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Erd-Charta in der internationalen Literatur zur Großen Transformation als wegweisend beschrieben wird.

So schreibt etwa James Gustave Speth, ehemaliger Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und Leiter des Instituts für ökologische Studien und Forstwirtschaft an der Yale Universität: „Viele unserer tiefsten Denker und viele von denen, die sich mit der Größe der Herausforderungen, vor denen wir stehen, wirklich gut auskennen, sind zu dem Schluss gekommen, dass die nötigen Transformationen nur in dem Kontext von etwas möglich sein werden, das ich als ‚das Entstehen eines neuen Bewusstseins’ bezeichnen möchte.“ (1)  Um dieses ‚neue Bewusstsein’ zu verdeutlichen, verweist er auf die Erd-Charta: „Der bislang ernsthafteste und ausgearbeiteste Versuch, eine überzeugende ethische Vision für die Zukunft zu bekunden ist die Erd-Charta, die weltweit vermehrte Unterstützung und Beachtung findet“. (2)

Deshalb ist die Erd-Charta ein idealer integrierender Rahmen für einen systemischen Wandel hin zu einer neuen Ökonomie und mithin ein erster Entwurf des vom WBGU geforderten neuen Gesellschaftsvertrags für eine große Transformation.

Es ist gerade das Besondere an diesem neuen internationalen Leitbegriff, dass er ins Zentrum rückt, was vor einigen Jahren noch Nischenthema war: Unsere komplexen, systemisch miteinander verbundenen Weltprobleme bedürfen ganzheitlich-integrierter Lösungsansätze. Ohne ein neues, ökologisches Bewusstsein, das auf der Erkenntnis der gegenseitigen Abhängigkeit allen Lebens auf der Erde basiert, wird es nicht möglich sein, diese komplexen Krisen zu bewältigen. Kurz: Eine „tragfähige Zukunft“ wird nicht möglich sein ohne ein Fundament von Grundwerten, das wirklich dauerhaft trägt! Hier hat die Erd-Charta einiges zu bieten.

1
James Gustave Speth: The Bridge at the End of the Word. Capitalism, the Environment, and Crossing from Crisis to Sustainability, Yale University Press, New Haven and London 2008, S. 199, Übersetzung Michael Slaby.
2
Ebd., S. 206 ff.

Michael Slaby ist Religionswissenschaftler und engagiert sich seit 2001 auf nationaler und internationaler Ebene für die Erd-Charta

 

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