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Impuls April 2018

Können Visionen unsere Welt verwandeln?

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat im September 2015 den ehrgeizigen Beschluss gefasst, allen Staaten dieser Erde einen Masterplan bis 2030 vorzulegen. Diese Agenda 2030 ist von dem Ziel geleitet, allem Leben wieder seine eigene Würde zu geben.

In der Erklärung spricht die Generalversammlung davon, dass dieser Beschluss von beispielloser Reichweite und Bedeutung ist. Seine Ziele sind universell und sie betreffen die ganze Welt. Man kann und darf sie deswegen nicht voneinander trennen oder gegenseitig ausspielen, denn sie bedingen einander und sind voneinander abhängig. In der Erklärung werden 17 nachhaltige Ziele benannt und mit ganz konkreten Handlungsschritten untermauert.
In ihnen geht es darum, die Armut zu beenden und die Ernährung zusichern. Es geht darum, die Gesundheit zu stärken, Bildung für alle zu realisieren und die Industrialisierung sozial und verträglich zu gestalten. Der Zugang zu Wasser und Sanitärversorgung soll ermöglicht und es soll weltweit saubere Energie erzeugt werden. In lebenswerten Städten und Siedlungen soll für alle faire Arbeit geschaffen und Ungleichheiten überwunden werden. Das Klima und die Ökosysteme sollen geschützt, die Weltmeere geschont und Frieden und Rechtsstaatlichkeit gefördert werden. Um diese Ziele zu erreichen, ist es dringend geboten, neue globale Partnerschaften auf- und auszubauen.

Wie wenig sich die Verantwortlichen dieser Welt gegenwärtig in ihren Entscheidungen von diesen Zielen bestimmen lassen, wird im folgenden Kapitel schonungslos beschrieben. Die Vollversammlung benennt ungeschminkt die Realitäten dieser Welt und zeigt die gefährlichen Abgründe heutiger und auch zukünftiger Fehlentwicklungen auf, in die wir alle stürzen werden, wenn wir so weitermachen wie bisher.

Milliarden Menschen leben in Armut und ein Leben in Würde wird ihnen verwehrt. Esgibt enorme Unterschiede der Chancen, des Reichtums und der Macht. Geschlechterungleichheit ist eine der größten Herausforderungen. Extremismus und Terrorismus bestimmen den Alltag. Der Klimawandel und damit einhergehende Naturkatastrophen gefährden in vielen Teilen unserer Erde immer stärker das Leben der Menschen, Tiere und Pflanzen.

Wie aber soll dieses ganze Elend so kurzfristig zum Guten gewendet werden können?

Sollten wir Menschen plötzlich in der Lage sein, das möglich zu machen, woran Generationen vor uns immer wieder gescheitert sind?
Ein Blick in die Menschheitsgeschichte lehrt uns, dass diesen grundlegenden Wandel weder Religionen noch politische Systeme mit ihren jeweiligen Absolutheitsansprüchen bisher geschafft haben.

Muss da nicht auch der aktuelle Versuch der Agenda 2030 von vorneherein zum Scheitern verurteilt sein?

Dagegen spricht, dass es inzwischen überall auf der Erde Menschen gibt, die sich aus großer Verantwortung für diese Welt über alle religiösen, politischen, kulturellen und rassischen Grenzen hinweg zusammengetan haben und an einer gemeinsamen Zukunft mit bauen. Und es werden immer mehr, die sich auf dieses wirklich einmalige Unternehmen des neuen Miteinanders von Mensch und Natur einlassen. Unterstützt wird dieses Bemühen erneut von der UNO mit der Agenda 2030.

Sie alle verbindet auf diesem Weg die lebendige Hoffnung, dass auf dem dramatischen Hintergrund unseres Weltgeschehens eine grundlegende Wandlung unserer bisherigen Gewohnheiten und Verhaltensweisen gelingen kann. Die Menschen guten Willens erhoffen diese Wandlung selbst bei denen, die sich dieser hoffnungsvollen Weggemeinschaft bisher verweigern, weil sie ihre rücksichtslosen Einzelinteressen um jeden Preis durchsetzen wollen.
Inspiriert wird dieser an Dynamik zunehmende Prozess von einer großen Vision, mit der die Erklärung der Agenda 2030 beginnt.
In dieser Vision wird eine Welt beschrieben, die frei von Armut, Hunger, Krankheit und Not ist, eine Welt, die frei von Furcht und Gewalt ist, eine Welt, in der alle Menschen lesen und schreiben können. Diese Vision sieht eine Welt voraus, in der die Menschenrechte und die Menschenwürde, die Rechtsstaatlichkeit und die Gerechtigkeit geachtet werden. Sie entwirft in eine Welt, in der es menschenwürdige Arbeit für alle gibt und in der auch für die Bedürfnisse der Schwächsten gesorgt wird. Sie verheißt eine Welt, in der die Menschheit in Harmonie mit der Natur lebt.
Jeder, der eine Vision hat, weiß darum, dass sie nicht ein zu eins in die Wirklichkeit umgesetzt werden kann. Aber er weiß auch darum, dass sie eine ungeheure Energie entfaltet. Denn sie gibt die Richtung an, in die sich alle gegenwärtigen und zukünftigen Aktivitäten von Menschen guten Willens entfalten können. Es wird das spannendste Experiment der Gegenwart werden, ob uns die Verwandlung unserer Lebensweise dieses Mal gelingen wird.

Von Heiko Lietz, erschienen in Die Straße, Schwerin

 

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