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Februar 2012

Vandana Shiva und die neun Saaten

 

Das Leben zu erhalten, das Leben der Menschheit und das Leben des Planeten als Grundlage für alles irdische Leben: Das muss das höchste Ziel sein, auf das wir hinarbeiten.“

Vandana Shiva ist 1952 in Dehradun in Nordindien geboren und arbeitete als Quantenphysikerin bevor sie 1982 die Research Foundation for Science, Technology and Ecology gründete, aus der 1991 Navdanya (wörtlich „neun Saaten“, als Hinweis auf den Pflanzenreichtum Indiens) hervorging. Vandana Shiva ist zur Symbolfigur einer Bewegung des Engagements für Biodiversität, ökologische Landwirtschaft und der Globalisierungskritik geworden, und hat auf diesem Weg viele Ehrungen und Auszeichnungen, unter anderem den alternativen Nobelpreis, entgegen genommen. Sie selbst und Navdanya erzählen eine beeindruckende Erfolgsgeschichte, in der ökologische Vielfalt und soziale Gerechtigkeit Seite an Seite eine nachhaltige und lebendige Form des Wirtschaftens schaffen, weshalb wir sie in diesem Impuls vorstellen möchten.

 

 

Navdanya ist eine Organisation mit Sitz in Indien, die im Zeichen des Schutzes der Rechte von Bauern und der Erhaltung von Biodiversität als Farm, Saatbank und Forschungsstätte einen Ort bietet, an dem indische Bauern, internationale Wissenschaftler und Menschen aus aller Welt traditionelle ökologische Landwirtschaft lehren und lernen.


"Die herrschende Weltordnung untergräbt die soziale, ökologische, politische und ökonomische Nachhaltigkeit und führt zum Zusammenbruch von Gesellschaften, Öko- und Wirtschaftssystemen."


Navdanyas Grundsätze stellen sich gegen einen bedrückenden Zustand der indischen Landwirtschaft: Die meisten Bauern greifen bei ihrem Anbau zu gentechnisch verändertem Saatgut und chemischen Düngemitteln, die ihnen mit dem Versprechen besonders hoher Ernteerträge von Großkonzernen teuer verkauft werden. Die Zahl der ausgegebenen Pflanzensorten wird von diesen Konzernen aus Rentabilitätsgründen auf einige wenige begrenzt, was das Aussterben hunderter einheimischer Sorten nach sich zieht. Zwar steigen mit den teuren genmodifizierten Sorten die Ernteerträge kurzfristig tatsächlich auf unverhältnismäßige Niveaus an. Die gentechnischen Veränderungen des Saatguts mit dem Zweck, schädlingsbekämpfende Sorten zu entwickeln, stören allerdings die natürlichen Schädlingsresistenzen der Pflanzen. Das hat mit der Zeit den Befall durch neue, angepassten Schädlingen zur Folge, gegen die sich die Pflanze nicht mehr auf natürlichem Wege verteidigen kann, woraufhin die Ernteerträge sinken. Mehr chemische Düngemittel, Herbizide und Pestizide werden benötigt um das auszugleichen, für die die Bauern wieder teuer bezahlen müssen und gezwungen sind, Schulden bei den Konzernen zu machen. Die wachsenden Schulden, die sie beim Kauf von immer größeren Mengen aggressiver Chemikalien machen, während ihre Erde mehr und mehr verödet, treiben viele indische Bauern dazu, sich selbst das Leben zu nehmen indem sie hochgiftige Pestizide trinken, wenn die Agenten der Konzerne ihr Land konfiszieren um die Schulden zu begleichen.


Die Arbeit von Navdanya setzt an mehreren Stellen dieses Teufelskreises an: Es werden Saatbanken eingerichtet, die naturbelassene regionale Sorten sammeln, sichern und für die Bauern verfügbar machen. Navdanya informiert und klärt auf über die ökologischen und gesundheitlichen Risiken und Folgen des Einsatzes von gentechnisch verändertem Saatgut. In speziellen Lehrgängen werden Bauern in traditioneller ökologischer und nachhaltiger Landwirtschaft geschult. Für sie hat der Wechsel zur ökologischen Bewirtschaftung der Erde zur Folge, dass eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt zurückkehrt und ein gesundes Ökosystem schafft. Langfristig erhöht sich so auch der Gesamtertrag der Bauern bezogen auf alle Erzeugnisse ihrer Erde im Vergleich zum Ertrag, der mit einer chemisch bestellten Monokultur mit nur einem Erzeugnis erwirtschaftet wird. Schließlich unterstützt das von Navdanya aufgebaute, indienweit größte Netzwerk von Direktvertrieb und Fairem Handel die Bauern darin, faire Absatzmöglichkeiten zu finden und so ihre finanzielle Souveränität zurück zu gewinnen.


Die Erde ist lebendig. Ein Regenwurm macht seine Arbeit besser als jede Kunstdüngerfabrik der Welt.“


Navdanya hat bereits rund 200.000 indische Bauern auf dem Weg zu einer nachhaltigen Landwirtschaft weitergebildet, unterstützt und begleitet, und leistet so einen bedeutenden Anteil zur Entwicklung in Richtung des eigenverantwortlichen Landwirtschaftens der Bauern, einer gesunden Ernährung der Bevölkerung und der Stärkung lokaler Märkte.

 


Zum Weiterlesen:

www.navdanya.org – (englisch) Website von Navdanya

http://www.vandanashiva.org/  – (englisch) Website von Navdanya

http://de.wikipedia.org/wiki/Vandana_Shiva#Weblinks (deutsch) und http://en.wikipedia.org/wiki/Vandana_Shiva#External_links (englisch) – viele Weblinks zu Interviews und Videos mit und über Vandana Shiva

 

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